Bauliche Umsetzung

In folgendem Abschnitt berichten wir über den Bau von Mehrgenerationenhäuser. Dabei beziehen wir uns auf das Beispiel Kalkbreite, wo wir selber einen detaillierten Überblick erhalten konnten in Form einer Führung. Wir sind überzeugt, dass dies als sehr fortschrittliches Projekt zu werten ist.

Grundidee

Die Grundidee der Kalkbreite war es, ein Gebäude zu entwickeln, das alle benötigte Nutzungsebenen und Wohnformen beinhaltet. In Bezug auf die Wohnformen bedeutet dies vor allem verschiedene Wohnungsgrössen. Dort lag auch der grösste Teil des planerischen Mehraufwandes im Vergleich zu einen normalen Mehrfamilienhaus. Man hat viele verschiedene Wohnungsgrössen und nicht nur wenige, gleich angeordnete Grundrisse. Bei der Kalkbreite will man diese Wohnungen durchmischt anordnen und nicht nur in einem trivialen Layout, bei dem man den selben Grundriss einer Wohnung mehrfach aneinander reiht.
Dies bedeutet für Mehrgenerationenhäuser im Allgemeinen, dass durch die verschiedenen Wohnungstypen ein Mehraufwand in der Planung entsteht durch die verschiedenen Wohnungstypen. Da diese unterschiedlichen Wohnungen Grundbestandteile jedes Mehrgenerationenhauses sind.

Aussenansicht 01 K

Aussenansicht der Kalkbreite

Vorzeige Konzept

Ein Weiteres Konzept nebst der Anordnung der Wohnungen ist das Einbringen von Gemeinschaftsräumen mit verschiedenen Nutzungen, welche die Bewohner selber wählen können. Diese Gemeinschaftsräume sind im ganzen Gebäude verteilt und sollen auch zur horizontalen Belebung führen, indem man die Nutzer dazu animiert sich im ganzen Gebäude aufzuhalten. Die Idee dahinter ist, dass man sich in diesen Begegnungs- und Kontaktbereichen trifft und miteinander lebt. Solche Gemeinschaftsräume sind in der Kalkbreite zum Beispiel eine Bibliothek, ein Meditationsraum, eine Cafeteria und eine Dachterrasse.
Nebst den allgemein zugänglichen Gemeinschaftsräumen gibt es dann noch Gemeinschaftsräume welche nur den Bewohnern von Clusterwohnungen zur Verfügung stehen. Diese sind ein "erweitertes" Wohnzimmer mit einer Küche und einem Balkon. Die Aussenräume zählen ebenfalls zu den Gemeinschaftsräumen. Speziell dabei ist, dass der Innenhof öffentlich und somit für alle zugänglich ist.
Uns stellte sich die Frage, werden diese Gemeinschaftsräume überhaupt genutzt, nicht zuletzt weil man sich teilweise durch das ganze Gebäude bewegen muss, oder weil das Bedürfnis vielleicht gar nicht vorhanden ist? Laut Angaben der Genossenschaft sind solche Gemeinschaftsräume unter den Bewohnern sehr beliebt unter den Bewohner und die einzelnen Räumen sind sehr gut besucht im ganzen Gebäude. Also wurde das Konzept effektiv umgesetzt. Deshalb lässt sich dieses Konzept von Gemeinschaftsräumen auch auf weitere Mehrgenerationen-Projekte übertragen. Das heisst, dass Räume mit gemeinsamer Nutzung geteilt werden. Die Kalkbreite ist dafür ein gutes Beispiel.

Innenhof der Kalkbreite

Preis

Das Prinzip der Genossenschaft ist, preiswerte Wohnungen anzubieten. Erfüllt der Bau diese Anforderung? Ja dies wird erfüllt, denn die Preise sind 30-40% günstiger als bei umliegenden Wohnungen, trotz hohem Ausbaustandard und zusätzlichen Gemeinschaftsräumen. Diese Tatsache macht die Wohnungen der Kalkbreite natürlich begehrt. Wendet man bei anderen Objekten ebenfalls diese Preispolitik der Kostenmiete an, werden auch diese begehrt bei Mietern sein. Allerdings sind Investoren die eine Rendite aus dem Bau ziehen möchten nicht an solchen Projekten interessiert. Mehr dazu erfahren Sie dann bei der Finanzierung.

Nachhaltigkeit

Eine sehr wichtige Anforderung ist auch die Nachhaltigkeit des Gebäudes. Dieses Ziel wurde ebenfalls erfüllt. Man erzeugt 20% des benötigten Stroms durch die hauseigene Solaranlage. Die Wärmeversorgung läuft über Erdsonden. Dies macht die Kalkbreite attraktiv für umweltbewusste Mieter. Das heisst, es lohnt sich auch bei anderen Mehrgenerationenhäuser sich Gedanken über die Energiebilanz zu machen.

Äussere Architektur

Das Mehrgenerationenhaus lässt sich unter der Typologie "Blockrand" einordnen. Die äussere Architektur, also das Erscheinungsbild der Kalkbreite von Aussen, passt sich der Umgebung an, den umliegenden Häuservolumen und der Parzelle an. Daraus lässt sich schliessen, dass die Entstehung der äusseren Architektur bei Mehrgenerationenhäuser gleich ist, wie die von normal MFH oder anderen Bauten. Ein Mehrgenerationenhaus muss also nicht von Aussen betrachtet als solches erkannt werden.

Innere Architektur

Das Konzept der inneren Architektur beinhaltet die Umsetzung der oben erwähnten Ideen. Ein Bestandteil sind diese vielen unterschiedlichen Wohnungstypen die durchmischt angeordnet sind und der andere Bestandteil sind Gemeinschaftsräume. Diese sind so platziert, dass sie zu einer horizontalen und vertikalen Belebung des Hauses führen. Die Zielgruppe der inneren Architektur sind Personen, die bereit sind zu teilen und zu tolerieren. Da man sehr eng beieinander wohnt und durch Gemeinschaftsräume miteinander verbunden ist. Dies bedeutet, dass bei allen Mehrgenerationenhäuser die Wahl der Wohnungstypen, deren Anordnung im Grundriss Layout und die Wahl der zusätzlichen Räume eine wichtige Rolle spielt.
Aber konnte die Kalkbreite ihre angestrebten Ziele durch die Innere Architektur erreichen? Konnte man Nutzer mit ganz verschiedenen demographischen Eigenschaften durch die verschiedenen Wohnungsgrössen anlocken? Prinzipiell kann man sagen die bei der Planung erarbeiteten Konzept wurden auch in der Praxis umgesetzt. Die verschiedenen Wohnungstypen sind bewohnt durch eine sehr durchmischte Gesellschaft. Aber alle haben eines Gemeinsam: sie sind bereit, auf engem Raum miteinander zu leben. Mehr zur Zielgruppe folgt auf der nächsten Seite.




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